22 März 2025

Brian Eno - "The Ship" (2016)

Spätestens seit Lustmord ist Ambiente für mich durchaus auch eine musikalische Spielwiese. Früher, zu meinen Sturm-Und-Drang-Zeiten, wäre das undenkbar gewesen. Ambiente war für mich langweiliges Hotel-Lobby-Geplätscher, welches man bestenfalls zum Frühstück nach einer durchzechten Nacht mit schwerem Kopf hätte ertragen können. Wie gesagt; mittlerweile kann ich diesem Genre durchaus Einiges abgewinnen. Zumal die Grenzen zu Electronics und ruhigen Ausläufern des Krautrock absolut fließend sind.  

In dieser Woche habe ich mir mein erstes Album von Mr. Ambiente himself in den Schrank geholt. Brian Eno behauptet von sich sogar den Namen "Ambiente" für dieses Sub-Genre der Musik selbst erfunden zu haben. Er meint damit Musik, die eine Landschaft kreiert zu der man selbst dazu gehören kann. ... und genau das ist ganz mein Ding. Ich habe festgestellt, dass mich diese Art der Musik fesselt und meistens völlig aus dem Alltag in eine andere Welt holt. Das entstresst mich total. In meinem Kopf läuft ein Film ab. Das ist eine magische Wirkung von Musik, die ich inzwischen sehr zu schätzen weiß. Dabei ist die Musik selbst häufig sehr ungewöhnlich ... strange ... meistens elektronisch erzeugt und/oder mit konventionellen Instrumenten gemischt - Soundcollagen, manchmal mit Gesang unterlegt. Brian Eno ist hier als Pionier seit Anfang der 1970er Jahre unterwegs. Übrigens war er Mitbegründer der britschen Art-Rock- und New-Wave-Band Roxy Music. Da ist er aber bereits 1973 wieder ausgestiegen. Über die Anzahl, wieviele Alben Brian Eno seither solo veröffentlicht hat, widersprechen sich die Quellen. Es mögen um die 20 sein. An unzähligen weiteren hat er zumindest mitgewirkt, beispielsweise bei David Bowie, Peter Gabriel, den Talking Heads oder U2. Brian Eno hat in den 1990er Jahren interessanterweise auch den Jingle für Windows95 komponiert und diverse Klingeltöne für Nokia. 

Seit einiger Zeit erschließe ich mir nun Stück für Stück sein musikalisches Schaffen. Dabei ist mir "The Ship" insbesondere über einen Artikel in der Visions angetragen worden, der mich darüber informierte, dass dieses Album neu als Vinyl veröffentlicht wurde. Das muss im vergangenen Jahr gewesen sein, denn der Titeltrack (21:19 Minuten lang) hat es immerhin in meine persönlichen Spotify Charts des vergangenen Jahres auf Platz 4 geschafft. Dabei beeindruckt mich insbesondere wie es Brian Eno schafft mit musikalischen Mitteln zunächst ein ruhiges Gewässer zu malen, über das sich so langsam Nebelschwaden ziehen, die immer dichter werden und sich von Weitem ein Schiff langsam nähert, welches immer bedrohlicher und mystischer wirkt. Sensationell! ... Das sind zumindest meine Empfindungen dabei. Das mag bei jemandem anderen ganz anders ankommen.  Der zweite mehrteilige Longtrack heißt "Fickle Sun" und vermittelt mir zunächst die trügerische Ruhe eines sonnigen Sommerabends nach getaner Arbeit, im vollen Bewußtsein morgen wieder in die stressige Arbeitshölle zu müssen und die Sorgen und Ängste die man dann mit in den späten Abend und die folgende Nacht mit nimmt. Ob sich Brian Eno das auch nur ansatzweise bei seiner Komposition so gedacht hat, darf gern bezweifelt werden. Mir gefällt's jedenfalls so. 

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P.S.: Übrigens habe ich mich hier bewußt für eine CD-Ausgabe entschieden, weil gelegentliches Knacken, wie es sich bei Vinyl nunmal nicht vermeiden ließe, tatsächlich dieser Art der Musik absolut abträglich wäre. 


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15 März 2025

Steven Wilson - "The Overview" (2025)

Bekanntlich verehre ich Steven Wilson als eines der größten musikalischen Genies der Gegenwart. Obgleich ich seine letzten beiden Platten im Ladenregal stehen lassen habe. "Harmony Codex" (2023) war mir alles in allem zu experimentell, zu komplex ... da wußte ich echt nicht mehr, wo der Künstler eigentlich hin will und über "The Future Bites" (2021) als reines Pop-Album brauchen wir gar nicht reden. Ich war also mächtig gespannt, als ein neues Wilson Album angekündigt wurde. Als ich dann noch erfuhr, dass es um den Weltraum und menschliche Perspektiven dazu gehen würde, und das das Album genau zwei 20-minütige Longtracks haben sollte, war für mich klar: Da kann gar nichts schief gehen! Die Vorbestellung war nur noch Formsache, mittlerweile recht untypisch für mich. Gestern ist "The Overview" offiziell erschienen - ich habe das Album am Donnerstagabend über DHL erhalten - und direkt am selben Abend noch zwei zweimal komplett durchlaufen lassen, was auch mittlerweile recht untypisch für mich ist.  

Wer allerdings bei "The Overview" eine Progressive-Rock-Kanone erwartet wird abermals enttäuscht werden. In der Tat hatte auch ich mit dem ersten Song "The Outlive us" so meine Startschwierigkeiten. ... Dagegen hat mich der Titelsong "The Overview" direkt abgeholt. Die monotone und nüchterne Aufzählung  von Maßen und Ihren Relationen von Entfernungen zu bekannten Objekten im Weltraum, mit Hall hinterlegt, schafft eine Vorstellung der Unvorstellbarkeit der Weite des Alls. ... und die weiterführende textliche Verknüpfung von menschlichen, individuell mehr oder weniger entscheidenden, Alltagsdingen auf der Erde (frühstücken, in die Schule gehen, Job verlieren, sich mit der Frau streiten u.s.w.) zu diversen kosmischen Ereignissen kommt einfach großartig. Stilistisch bewegen wir uns in einer recht großen Bandbreite zwischen Prog, experimentellem Neo-Kraut, Rock, Pop und, und, und ... . Zunächst konnte ich  diverse Ankündigungen, Steven Wilson würde zu seinen Wurzeln zurückkehren, nicht nach vollziehen. Inzwischen sehe ich aber sehr wohl die musikalischen Anleihen in seiner gesamten Diskographie, sowohl in seinen Schaffensphasen bei Porcupine Tree, als auch solo. Man lege einfach mal "The Sy Moves Sideways", "Metanoia", oder "The Raven ..." daneben.   Aber es ist eben kein Schritt zurück, sondern Steven Wilson nutzt hier die volle Bandbreite seiner musikalischen Genialität, um Neues zu erschaffen. 


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08 März 2025

Colour Haze - Live Vol. 3 2020 (2022)

Das ich die Band Colour Haze vergöttere, habe ich hier schon mal ausgeführt. Im Prinzip könnte ich jedes ihrer Alben hernehmen und der Reihe nach zum Album der Woche küren, ... und wäre dann anschließend im Kalender 16 Wochen weiter. So macht das natürlich keinen Spaß und ist höchst langweilig. Vielmehr knüpft sich geile Musik auch immer mal wieder an Ereignisse, ... mal mehr - mal weniger spektakulär. So geschehen in dieser Woche - und zwar sehr unspektakulär: Ich hatte eine sehr anstrengende Arbeitswoche - keine Scheisswoche, aber nahe dran! Jedenfalls war ich gestern am Freitagabend kastenfertig. ... und da hatte ich die geniale Eingebung, in den Keller zu gehen und eben jene "Live Vol. 3" aufzulegen. Nach 2 weiteren Godsleep-Platten, 6 Pilsener Urquell 0,33l und 4 Whiskey war ich wieder sehr fein mit mir und der Welt ... Man kann also sagen die "Live Vol. 3" hat mich gestern vollständig aus dem Dreck gezogen. ... und diese generelle Fähigeit von Musik im Allgemeinen und von diesem Album im Speziellen ist einfach großartig!

Das Album "Live Vol. 3" besteht aus einer Studio-Session auf der A-Seite mit den drei bekannten Songs "Überall", "Moon", "Freude III" und einem Live-Mitschnitt des Songs "Transformation" vom Freak Valley Festival 2020 auf der B-Seite. Da Colour Haze ihre Platten grundsätzlich live und analog einspielen, ist das jetzt auch keine soundtechnische Sensation, sondern eher typisch genial Colour Haze. 


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22 Februar 2025

Santana - Santanas Greatest Hits (1974)

Keine Frage! - Carlos Santanas musikalische Fähigkeiten sind über jeden Zweifel erhaben. Das Rolling Stone Magazin listet ihn unter den 100 bedeutentsten Künstlern.  Die Gitarrenarbeit ist sensationell und abwechlungsreiche Hits, die mich - zumindest vom Radio aus - mein gesamtes Leben begleitet haben: Trotzdem ist Carlos Santana bei mir nie über diesen doch recht eingeschränkten Greatest-Hits-Album-Status hinaus gekommen. Woran das genau liegt, kann ich gar nicht so genau sagen.  Klar - als Jungspunt war das immer die Musik meiner Eltern, von der ich mich ja vor mir selbst klar zu distanzieren hatte. Wobei mir das bei den Beatles beispielsweise nicht so ging und so restriktiv war ich ja tatsächlich nicht, zumindest nicht in meinen eigenen vier Wänden.  Letztlich ist wahrscheinlich dieser Samba-Rumba-Rum und Hüfte-schwenkende Latin Rock, für den Santana ja nun mal so steht, einfach nicht so ganz Meins. Aber es gibt im Repertoire des Carlos Santana doch einige meiner persönlichen All Time Hits, die mir regelmäßig das Wasser in die Augen treiben, weil sie so schön sind. So geschehen in dieser Woche beim Autofahren als das unvergleichliche "Samba Pa Ti" aus den Lautsprechen drang ... und damit dann auch die Nominierung für das Album dieser Woche fest stand.  


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15 Februar 2025

Sounds Of New Soma - "The Story Of Sam Buckett" (2025)

Noch so eine Schönheit als Vinylausgabe! Man könnte fast meinen, ich würde die Wahl zum Album der Woche nur noch vom Äußeren der Scheiben abhängig machen (... und so einige Plattenlables bevorzugen. #tonzonen ;-) ) Tatsächlich sind mir eigentlich die schwarzen, einfarbigen Vinyls die Liebsten. Wie schon in der letzten Woche ausgeführt gibts da die wenigsten Probleme mit Klicksen und Knacksern. ... und was Tonzonen Records angeht, da stapeln sich die Releases tatsächlich mittlerweile etwas bei mir im Schrank. Aber ich schwöre hoch und heilig, dass ich weder bei denen als Influencer unter Vertrag stehe, noch sonstwie an dem Laden beteiligt bin. Sie treffen mit ihren Veröffentlichungen offensichtlich meinen Geschmack momentan am Besten. 

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich dem Krautrock ala Tangerine Dream / Berliner Schule sehr zugetan bin. Neuerdings sprechen wir auch vom Neo-Krautrock, wenn wir Vertreter wie Sounds Of New Soma meinen, die sich im Grunde um keine Restriktionen in Ihrer Musik scheren und munter über Genregrenzen in anderen musikalischen Stilen wildern, dabei aber die Grundpfade der elektronischen Musik nicht verlassen. "The Story Of Sam Buckett" ist ein ausgezeichnetes Beispiel, wie die Berliner Schule mit Elementen des Jazz, des Progressive Rock, des Ambiente, des Artrock - und was weiß ich noch - verwoben wird, um eine einzigartige musikalische Geschichte zu erzählen. Wobei genau hier, meiner Meinung nach, der Schwachpunkt dieser Platte liegt. Sounds of New Soma zeichnen mit diesem Album den Lebensweg des genialen, aber offensichtlich völlig unbeachteten und damit komplett vergessenen Wissenschafftlers Sam Buckett nach. Mit viel Aufwand und Liebe zum Detail hat die Band sogar eine Webseite kreiert, um dem geneigten Hörer die Geschichte und letztlich das Mysterium um Sam Buckett nahe zu bringen ... und zeichnen damit eine klare Richtung meiner Empfindung vor. Allerdings will sich bei mir partu keine Geschichte von einem wissenschaftlichen Genie der 1920er Jahre formen, der CDs gebrannt und Raumschiffe entwickelt haben soll und letztlich mit einem von ihm entworfenen Spaceshuttle spurlos verschwand. Die Musik passt, meiner Empfindung nach, nicht zum Thema. Hmm ... (*Achsel zucken*) dann formen sich bei mir eben andere Bilder ... auch geil! ... und die Platte wurde gestern veröffentlicht und steht seit dieser Woche in meinem Schrank, meinem dritten Album von Sounds Of New Soma, einem Krefelder Duo im Übrigen.  Insgesamt zähle ich mittlerweile acht Studio-Alben und drei Live-Mitschnitte. Das heißt es gibt noch Potential für weitere Alben der Woche. ;-)



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08 Februar 2025

Schubmodul - "Modul I" (2022, Vinyl Release 2025)

Das Album dieser Woche habe ich jetzt genau drei Tage im Schrank stehen. Es kommt quasi frisch aus dem Presswerk und ist eigentlich viel zu schön, um es in den Schrank zu stellen. Ich habe eines der 400 Exemplare der speziellen "Multicolored Shadow Rose" Edition ergattert. Normalerweise bin ich nicht anfällig für solchen farbigen Tinnef. Zumal häufig die Pressqualität unter solchen Experimenten mit Farbpartikeln leidet, und auch hier, bilde ich mir ein, mehr Klicks zu hören, als das üblicherweise bei einer neuen schwarzen Pressung der Fall wäre. Aber sei's mal drum. Im Moment gibt es nur diese Ausgabe, oder vielmehr gibt es sie schon nicht mehr. Jedenfalls ist das Album optisch eine Augenweide und musikalisch hammergeil!

"Modul I" ist das Debütalbum der Bochumer Band Schubmodul, die es seit 2019 gibt."Schubmodul verschmilzt die Welten zwischen knackigem progressiven Rock und traditionellem Stoner, der drosselfrei zum Kopfschwingen anregt"...schreibt dazu das Label Tonzonen Records auf ihrer Website. ... und weiter: "Die instrumentale Musik von Schubmodul beinhaltet dabei Elemente aus verschiedenen Stilrichtungen, die von bretthart bis verträumt reichen und häufig in einem Gewand aus psychedelischen Weltraumklängen gehüllt sind. Dabei werden Geschichten nicht durch Gesang, sondern durch kreatives Songwriting im Kopf des Zuhörers erzählt, während die treibenden Rhythmen den Zuhörer mit auf eine Reise über Sanddünen, Berge und Seen bis hin zu fremden Planeten begleiten." Besser kann man es nicht ausdrücken und deshalb versuche ich es selbst gar nicht erst zu beschreiben.  

Auf Schubmodul bin ich durch ihr Lable Tonzonen Records aufmerksam geworden, wo ich regelmäßig neuen Hörstoff her beziehe. Jedenfalls hat Tonzonen Records 2024 das zweite Album "Lost in Kelp Forest" verlegt, welches bei mir sofort eingeschlagen ist. Das Debüt finde ich persönlich sogar noch etwas stärker. "Modul I" gab es bisher nur als selbstverlegte CD-Ausgabe der Band. Auf Tonzonen Records ist es jetzt erstmals auf Vinyl erschienen ... und das eben auch optisch höchst ansprechend. Ich bin jedenfalls überglücklich über den Neuzugang in dieser Woche.



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01 Februar 2025

Rick Wakeman - "The Red Planet" (2020)

 Das Album dieser Woche ist quasi ein Nebenprodukt meiner Recherche zum Backkatalog der Band Yes. Wir erinnern uns an jene Prog-Götter, zu denen ich seit Ewigkeiten versucht habe, Zugang zu bekommen. (... und was mir auch nur so mäßig gelungen ist.) Wenn man sich mit Yes beschäftigt, kommt man an dem Ausnahmekeyboarder, Pianist, Organist, Saxophonist und auch sonstwie Multiinstrumentalist Rick Wakeman nicht vorbei. Wahrscheinlich ist Rick Wakeman sogar der Grund, warum ich mich mit Yes so schwer tue. Sein virtuoses Keyboard-Gefrickele ist ein wesentlicher Bestandteil, welcher die Musik von Yes so unheimlich anstrengend macht. Neben seiner eher weniger konstanten Tätigkeit bei Yes, war und ist Rick Wakeman ein begehrter Studiomusiker und insbesondere erfolgreicher Solokünstler. Er hat es mittlerweile auf mehr als 90(!) Solo-Veröffentlichungen gebracht. Ich verlinke mal die Discographie auf Wikipedia, um mal einen Eindruck von diesem riesigen Gesamtwerk zu bekommen.  Ich muss aber zugeben, dass Wakeman sonst nie mein musikalisches Einzugsgebiet war. Daher besitze ich tatsächlich auch nur “The Red Planet”.

“The Red Planet” ist ein Spätwerk von Rick Wakeman. Damit ist es wohl auch kein Zufall, dass ich da hängen geblieben bin. Seine Frühwerke aus den 1970er Jahren sind erwartungsgemäß ähnlich anstrengend, wie die von Yes. “The Red Planet” hingegen ist recht eingängig und eine klar strukturierte musikalische Beschreibung des Mars. Unter eingefleischten Prog-Fans wird hier und da natürlich der Vorwurf der Langeweile laut. ... und auch ich halte dieses Album tatsächlich für recht unspektakulär. Aus dem Thema hätte man sicherlich mehr raus holen können. Nichts desto trotz mag ich die instrumentale Inszenierung des “Roten Planeten” sehr. Alben bei denen Filme in meinem Kopf ablaufen sind immer gut und rechtfertigen eine Nominierung zum Album der Woche allemal.


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