17 Februar 2024

Klaus Schulze - "Mirage" (1977, Remastered Version 2017)

Das Album dieser Woche gab's auch von Tante Trude, wegen Nichtgefallen, zurück. Ich kann tatsächlich nicht behaupten, darüber sehr unglücklich zu sein. Gleichzeitig hatte ich mir einen neuen Tonabnehmer, einen AudioTechnica VM95 ML, gekauft. Der Microline (ML) -Schliff des Diamanten sorgt für eine ganz besonders gute Auflösung, gerade in den höheren Frequenzbereichen, die für meine alten, geschundenen Ohren ansonsten immer eher etwas matschig rüber kommen. Dies nur am Rande, um zu verstehen, warum dieses Album in dieser Woche so nachhaltig bei mir eingeschlagen ist. So klar, deutlich und perfekt aufgelöst hatte ich “Mirage” noch nie gehört. (Kunststück! Bisher hatte ich das Album auch nur gestreamt bzw. ganz früher besaß ich wahrscheinlich mal eine zig-fach überspielte Kassette.)

Wie komme ich überhaupt zu Klaus Schulze? Meinen Einstieg zur elektronischen Musik hatte ich u.a. über Tangerine Dream. Klaus Schulze war Anfang der 1970er Jahre Schlagzeuger bei dieser Band. ... und wurde später als wichtiger Wegbereiter der sogenannten “Berliner Schule” gehypt. Meinen Erstkontakt hatte ich bei einem Schulfreund, wir waren 13- oder 14 Jahre alt und fanden eine Amiga-Lizenzpressung des Albums “Dig It” (für die DDR damals real-sozialistiisch umbenannt in “Elektronik-Impressionen”) bei den Platten seiner älteren Schwester. Die Innovation in dieser Musik konnte ich damals leider weder richtig fassen noch vernünftig einordnen. Irrigerweise nahm ich auch zunächst an, ich hätte es mit einem x-beliebigen protegierten DDR-Künstler zu tun und verlor sehr schnell das Interesse. Erst als ich kurz darauf die Verbindung zu Tangerine Dream hergestellt hatte, wurde mir klar mit wem und womit ich es eigentlich zu tun hatte. Der Rest ist dann Zuhören und Reinfinden.

“Mirage” ist wohl eines der bekanntesten Alben von Klaus Schulze. Nimmt man die Arbeiten mit anderen Künstlern, Soundtracks, Nebenprojekte und Titel unter Pseudonymen mit dazu, wird Klaus Schulze wohl an die 200 veröffentlichte Alben kommen. Dabei finde ich bei Weitem nicht alles gut was er gemacht hat. Insbesondere ergießt sich Klaus Schulze hin und wieder in nicht endenden Syntie-Loops, was seine Musik manchmal sehr zäh und langatmig werden läßt. Andererseits gibt es bei ihm keine Konventionen, was immer zu Neugier und Überraschungsmomenten führt. Ich lasse mich immer wieder gern inspirieren, nicht nur von den Alben die ich im Schrank stehen habe, sondern auch von den unzähligen, die ich bisher noch nicht gehört habe. Streaming sei' Dank.

“Mirage” hat auf dem Innencover den Beinamen “Eine elektronische Winterlandschaft” - und genau das ist es! Diese Winterlandschaft ... unwirtlich, kalt, glatt ist wunderbar musikalisch in Szene gesetzt. Schließe die Augen, lass' Dich darauf ein und spüre förmlich wie es zu frösteln beginnt. Das ist natürlich nichts für alle Tage und jede Stimmungslage. Ich kann sehr gut verstehen, wenn Tante Trude genau da ausgestiegen ist. Definitiv nicht jedermanns Sache ... aber definitiv meine, ... erst Recht mit einem neuen Abtastsystem unter dem Tonarm!


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10 Februar 2024

The Brian Jonestown Massacre - "Musique de film imaginé" (2015)

Die "Schweinchenplatte" - sie ist wieder da! "Schweinchenplatte" heißt diese Platte bei mir - unschwer zu erraten - wegen ihrer  aufdringlichen rosa/pinken Färbung, und zwar sieht nicht nur das Cover so aus, sondern das Vinyl auch. 

Diese Platte war jetzt über zwei Jahre bei Tante Trude in Buxtehude. Schallplatten sind immer meine Mitbringsel und Geschenke zu Geburtstagen oder zu besonderen Anlässen. Jedenfalls gibt's dabei die Abmachung über ein Rückgaberecht bei Nichtgefallen. Diese Karte wurde jetzt erstmals gezogen. Tante Trude fand die Platte offensichtlich so schlecht, dass sie sich ab jetzt wieder bei mir dreht. Zugegeben - ich habe damit seinerzeit auch durchaus musikalische Grenzen bei Tante Trude ausloten wollen. Ist mir offensichtlich gelungen. ;-) Das ändert aber nichts daran, dass mir die Platte im Grunde gefällt, auch wenn es tatsächlich ein seltsames Projekt ist. 

Bei "Musique de film imaginé" handelt es sich um einen Soundtrack zu einem Film, den es gar nicht gibt. Den Film dazu muss man sich selbst ausdenken.  So weit, so seltsam. ...  musikalisch ist das Album eine Verbeugung vor den großen Filmen der 1950er und 60er Jahre, wo Kinofilme noch als Kunstwerke verstanden wurden  ... und tatsächlich fühle ich mich an die Filme erinnert, die damals in meiner Kindheit im Fernsehen so liefen, Schwarz-Weiß-Filme mit Alain Delon, Lino Ventura, Gina Lollobrigida, nur um mal ein paar Namen zu nennen, die mir gerade so einfallen. Jedenfalls stehe ich ja total auf Musik, die in mir etwas auslöst. Den Film in meinem Kopf ablaufen zu lassen, ist ganz mein Ding und ich kann damit sehr gut leben, das Teil jetzt wieder hier zu haben. Die rote Linie bei Tante Trude kann ich allerdings auch sehr gut nachvollziehen. Also bitte mit einer guten Portion Gelassenheit ins Probehören gehen und dem Ganzen Raum für die Wirkung geben! 

The Brian Jonestown Massacre, als Urheber dieses Projekts, hatten hier bereits ein "Album der Woche" beigesteuert.  "Musique de film imaginé" klingt aber mit keinem Takt nach BJM. Musikalisch orientiert sich das Album eben in der Mitte des vergangen Jahrhunderts. Die Instrumentierung, Arangements und Melodien entsprechen der Schwere und Mystik jener Zeit, ohne dabei angestaubt zu klingen. Wirklich schön! Das empfinde ich zumindest so, Tante Trude offensichtlich nicht. Deshalb dreht sich das Album seit dieser Woche auch wieder bei mir und nicht bei Tante Trude. Gut so! .-) 


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02 Februar 2024

Joe Cocker - "Joe Cocker" (1985 / Amiga-Compilation)

 Wir besuchen morgen mal wieder Tante Trude in Buxtehude. Auf der Suche nach einem gescheiten Mitbringsel bin ich in meinem Plattenschrank über diese hervorragende Compilation von Joe Cocker gestolpert weil ich sie doppelt habe. Also schnell mal gewaschen und auf den Dreher gepackt, ... und sie läuft noch 1A! Gekauft habe ich das Teil natürlich direkt mit Erscheinen, also als 14- oder 15-jähriger Spunt. Da ich damals alles an Lizenz-Platten gekauft habe, was ich bekommen konnte, stellte sich die Frage nach dem Gefallen für mich zunächst nicht. Zu der Zeit kannte ich Joe Cocker eigentlich auch nicht, ... oder nur von den paar Radio-Hits die gerade liefen, also “Shelter Me”, “You Can Leave Your Head On” und sowas. Das war dann immer so ein bisschen Wundertüten-Feeling, weil man nicht so genau wußte, was man da gerade gekauft hatte. ... und ich weiß noch genau, wie enttäuscht ich beim ersten Durchlauf war, weil die Songs, die da drauf sind, so gar nichts mit den Hits zu tun hatten, die gerade im Radio liefen. Die Enttäuschung währte allerdings nicht lange, weil die Songs âus der Spät-60er/70er Jahre-Phase einfach mal genial sind. Cockers einmalig soulig-bluesig-rauchig-kratzige Stimme kam meines Erachtens in seinen später kommerziell erfolgreicheren Songs nie wieder so ausdrucksstark rüber. Auch musikalisch hatte ich noch nichts wirklich Vergleichbares gehört. ... und so lief die Platte, trotz meiner ansonsten damals so Heavy-Metal-verklärten- und stark eingeschränkten musikalischen Denke, recht häufig.

Warum ich dieses Teil doppelt hatte, weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich glaub, meine Eltern haben mir, in Unwissenheit, die Platte nochmal zu Weihnachten, oder zum Geburtstag geschenkt. Ein tolles Geschenk, wenn man bedenkt, dass an die Lizenzplatten eben nur sehr schwer ran zu kommen war.

So ... und nun geht die Platte frisch gewaschen nach Buxtehude und wird dort hoffentlich noch ein paar wundervolle Jahre weiter laufen!


auf Spotify anhören (Da Spotify diese Amiga-Compilation nicht hat, begnügen wir uns hier mit dem 1977 veröffentlichten "Greatest Hits"-Album, dieses weist die größte Schnittmenge auf.)

26 Januar 2024

Smokie - "Greatest Hits" (1977)

Wer kennt das nicht? ... Plötzlich pfeift einem ein Song durch den Kopf, und man wird ihn den ganzen Tag lang nicht mehr los. In dieser Woche ist mir das passiert mit “Mexican Girl” von Smokie. Keine Ahnung wodurch, aber plötzlich erwischte ich mich beim Summen und Pfeifen und Nachdenken, was das eigentlich für ein nettes Liedchen ist. ... und eins fix drei fand ich mich vor dem Plattenschrank wieder, zog die “Greatest Hits” hervor und hatte sie eben so schnell auf dem Teller liegen. Wie groß war die Enttäuschung, als ich feststellen mußte, dass “Mexican Girl” da gar nicht drauf ist. Geil war's trotzdem, diese alten Sachen mal wieder zu hören, und ich fühlte mich direkt in meine Vorschulzeit zurück versetzt. Ich habe Smokie geliebt!! Es gab damals für mich als 7- oder 8-jährigen Bengel notenführend vier Bands: Puhdys, Karat, Abba und eben Smokie (im erweiterten Kreis dann natürlich noch Suzi Quatro und Bonnie Tyler). Was hätte ich für ein Smokie-T-Shirt gegeben ... oder eben für eine LP! Da war aber kein Rankommen. Mein Exemplar des “Greatest Hits”-Albums ist eine astreine West-Pressung! Ich habe sie später mal so mit 13 oder 14 ertauscht gegen eine Kate-Bush-Amiga-Lizenzpressung. Ob ich den Handel heute noch genau so eingehen würde, weiß ich nicht, damals war's für mich aber ein großartiger Deal: 1. meine erste “Westplatte”, 2. meine einst heiß geliebten Smokie und 3. bin ich mit der durchaus gewöhnungsbedürftigen Stimme von Kate Bush damals sowieso nicht klar gekommen. Aber zurück zu Smokie, “Mexican Girl” und den "Greatest Hits". Das die Sachen in der richtigen Stimmung tatsächlich einfach nur cool sind und so auch im Bekanntheitsgrad einen gewissen Kultstatus haben ist klar. An Smokie mit Chris Norman als Leadsänger kam damals niemand vorbei. ... und mit diesen Erinnerungen und der Kultmucke im Ohr stand die Nominierung des Albums dieser Woche fest. Aber was war mit “Mexican Girl”. Ich hätte geschworen, dieses in meiner Jugend ebenfalls auf Vinyl gehört zu haben. Das “Greatest Hits-Album konnte es also noch nicht gewesen sein. ... und richtig: unter den 7-Zöllern habe ich tatsächlich eine Amiga-Quartett-Single gefunden. Diese hatte ich definitiv vor der LP und die muss ordentlich gelaufen sein! Knistert wie blöd aber läuft und gibt's in dieser Woche quasi als Zugabe! ;-) ... und 'ne CD auch (Was der Schrank nicht so alles her gibt, wenn man mal dran ist *lach*)






20 Januar 2024

Grinderman - "Grinderman 2 RMX" (2012)

Grinderman ist ja bekanntlich das etwas schräge Nebenprojekt von Nick Cave.

Zugegeben: Man benötigt schon etwas Phantasie, um das gut zu finden. Die habe ich ;-) . Zu Details will ich mich hier gar nicht auslassen. Einfach reinhören und gut finden, ... oder verteufeln!

Was aber das vorliegende Doppelalbum so interessant macht: Das "RMX" im Namen impliziert, dass es sich um einen schnöden Remix des Albums "Grinderman 2" handelt. Aber weit gefehlt! Die enthaltenen Songs von Grinderman 2 sind in völlig anderen Versionen enthalten und entsprechend verfremdet. Weitere Songs sind zusätzlich enthalten (... und mit vielen prominenten Gastmusikern eingespielt), sodass man hier durchaus von einem eigenständigen Album sprechen kann. Leider führt dieses "RMX" zu einem fatelen "Underrating".  Wenn man sich durch "Grinderman 1" und "Grinderman 2" durchgearbeitet hat, bleibt "Grinderman 2 RMX" meistens unghört im Schrank stehen. Völlig zu Unrecht! Ich hatte in dieser Woche mal wieder eine Nadel darauf und halte die Platte für absolut würdig, hier mal hervor gehoben zu werden. 




12 Januar 2024

Ghost Brigade - "Isolation Songs" (2009)

In dieser Woche hatte ich mal wieder Paradise Lost mit "The Plague Within" im Player und erinnerte mich plötzlich an das Live-Konzert im Bielefelder Ringlokschuppen 2009. Dort traten neben Paradise Lost als Headliner, Samael und die für mich damals völlig unbekannte finnische Band Ghost Brigade als Support auf. Sameal versagte, Paradise Lost ging so, aber Ghost Brigade haben mich total aus den Socken gehauen. Völlig klar, dass ich mir am Merchstand direkt ihre aktuelle CD "Isolation Songs" mitgenommen habe. In den Folgewochen lief das Teil in Dauerschleife. Diese gekonnte Mischung aus melancholischer Seichtmelodie und brachialem Death Metal mit gehörigem Doom-Einschlag war für mich neu und damals der musikalische Gipfel. 2015 habe ich Ghost Brigade dann nochmal auf dem Party.San-Festival gesehen. Leider war dieser Auftritt dann nicht so prall, oder meine Erwartungen waren schlichtweg zu hoch. Jedenfalls war dieser Gig dann an skandinavischer Kälte nicht mehr zu  unterbieten. Kein Grußwort, keine Show, noch nicht mal ein Banner, welches auf den Namen der Band hingedeutet hätte, nur die Songs wurden brav der Reihe nach abgespult. Eine Zugabe untersagte sich dann natürlich auch. Enttäuschend! An meiner Liebe zur Musik der Band änderte das allerdings nichts. Die zwei nachfolgenden Alben habe ich natürlich auch im Schrank stehen. Allerdings greife ich, wenn es um Ghost Brigade geht, tatsächlich meistens  zu "Isolation Songs". Es ist nicht so, dass die Folge-Alben wesentlich schlechter wären. Allerdings wiederholen sich die Riffs, die Melodieläufe, die Hooks und das gesamte Drumherum, so dass man weiteres Material in der Form eigentlich nicht braucht. Folgerichtig löste sich die Band um 2020 auf.




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07 Januar 2024

New Model Army - " Between Wine And Blood" (2014)

Wir beginnen das Jahr mit einem Album einer Band, die zwar schon mehrere Jahrzehnte auf meinem Radar rum schwirrt, es allerdings nie in meinen Plattenschrank oder ins CD-Regal geschafft hat. Bis zu dieser Woche! Wenn man ein musikalisches Kind der 1980er ist und sein Studium in den 1990er samt Studentenfeten abgeschlossen hat, kam man an New Model Army sehr schlecht vorbei. Ich habe auch wahrgenommen, dass NMA einen sehr coolen Indie-Rock machen. Das Problem: Indie-Rock war überhaupt nicht meine musikalische Baustelle! ... und in der Tat treffen die ersten Platten von NMA aus den 1980/90er Jahren meinen musikalischen Nerv immer noch nicht so recht. Allerdings trug es sich neulich zu, dass ich die neue Single "First Summer After" zu hören bekam. ... und "Klick" - da war 's um mich geschehen! So - und nun wühle ich mich durch einen mehr als 40 Jahre umfassenden Backkatalog, der 15 Alben enthält. Erstes Fazit: Die Spätalben liegen mir musikalisch mehr. Wirklich hängen geblieben bin ich bei vorliegendem Album "Between Wine And Blood". Das Besondere hier: Das Doppelalbum besteht aus einer Studio- und einer Live-Platte. Die Studio-Songs sind echt cool, keine Frage, aber richtig mitgenommen hat mich das Livealbum. Die Songs darauf sind wiederum vordergründig aus dem Vorgängeralbum "Between Dog and Wolf" entnommen. Jedenfalls ist dieser Teil eine echte Wucht und somit für mich ein Must-Have!


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