16 August 2024

Anne Clark - "Pressure Point" (1985)

Das Album dieser Woche ist ein Mitbringsel aus dem Urlaub, und gleichzeitig wieder ein gutes Beispiel dafür ,wie tief ich eigentlich in meinem Leben hinsichtlich guter Musik geschlafen habe. 

Vorliegende LP habe ich vor zwei Wochen in einem wundervollen Plattenladen in Hindeloopen (NL) am IJsselmeer gekauft. Als musikalisches Kind der 80er kannte ich Anne Clark natürlich. Aber ich hatte sie damals eher als Disco-Queen und Vorläufer der Techno-Musik wahrgenommen. Das war damals überhaupt nicht meine musikalische Baustelle.  Demzufolge war mein Sicht- und Hörfeld auf Anne Clark auch massiv eingeschränkt. Eher aus einem nostalgischen Impuls und Neugierde, sowie wegen des unschlagbaren Preises von 6 Euro griff ich jetzt spontan zu. Ein Glücksgriff möchte ich sagen!

Früher wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Clarks etwas queren  Sprechgesang und die elektronischen Beats mit Post Punk und Krautrock in Verbindung zu bringen. Ist aber so ... Hört einfach hin! Die an der Melodie vorbei erzählten Geschichten, könnten gebrüllt auch von Johnny Rotten kommen (Würde wahrscheinlich Scheiße klingen, aber wäre vorstellbar.) ... und gerade, wenn man etwas tiefer in den Back-Katalog von Frau Clark einsteigt, lassen sich Kraftwerk und Tangerine Dream als Inspiration kaum verheimlichen. ... und so sind wir direkt auf meiner musikalischen Wellenlänge angekommen ... knapp 40 Jahre nach Erscheinen dieser Platte!


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10 August 2024

Behemoth - "Messe Noire" (2018)

Für mich hat Behomoth in dieser Woche die absolut beste Performance auf dem diesjährigen Party.San-Festival abgeliefert. Seit Jahren ist diese polnische Band eine Black-Metal-Institution. Ich durfte sie jetzt bereits zum dritten Mal live erleben. ...  dämonische, gespenstische, satanische Atmosphäre mit einer ordentlichen Pyro-Show: So feiert man eine "Schwarze Messe" ala Behemoth. Klar kann vorliegendes Live-Album nicht mal ansatzweise die realen Eindrücke wiedergeben, aber es ist für mich immer ein Hilfsmittel solche Momente im Gedächtnis zu behalten. 

P.S.: Wie muss man eigentlich drauf sein, um im erzkatholischen Polen, solche Musik zu machen? Gerüchteweise wird gemunkelt, dass sich Frontmann Nergal mit Anzeigen und einstweiligen Verfügungen die Wände tapezieren könne. 


Behemoth live at Party.San 09.08.2024



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03 August 2024

Wasted Bullet - "Lights Below Sunrise" (2011)

Wir sind immer noch im Urlaub, allerdings von Calais, über Amsterdam, ans IJsselmeer in Holland gezogen. Gern lasse ich mich wieder von der hiesigen Kulturszene inspirieren und gehe gedanklich meinen Plattenschrank nach niederländische Künstlern durch. So sehr ich mich anstrenge, aber ich habe keine Alben, die auf holländisch gesungen werden und Vater Abraham und die Schlümpfe, Mareike Armado oder Rudi Carrell stehen in nächster Zeit nicht zum Kauf an. 
... und so fällt die Wahl zum Album der Woche heute auf "Lights Below Sunrise" einer super sympathischen Band namens Wasted Bullet aus Tilburg. Die durfte ich um 2010 herum live in der Paderborner Kulturwerkstatt erleben. Das Konzert selbst war recht schlecht besucht, was die Band allerdings nicht daran hinderte dort einen Totalabriß zu zelebrieren. Anschließend haben wir mit den sympathischen Jungs noch ein Bierchen gezischt. Jedenfalls hat mich diese erfrischende Art Hardcore ganz ungezwungen und locker aufzuspielen total fasziniert. Die Musikindustrie nennt es Melodic-Hardcore. Naja ... Schublade eben! 
In der Zwischenzeit habe ich mir alle Veröffentlichingen der Band besorgt. Gibt's nur auf CD oder digital. Seit 2015 sind sie wohl leider auch nicht mehr aktiv. Schade! Aber ein Grund mehr, sich diese sympathischen Jungs über die Nominierung zum Album der Woche mal wieder ins Gedächtnis zu rufen. 
Über Bandcamp streamen. Spotify hat es nicht. )

27 Juli 2024

Alcest - "Ècailles De Lune" (2010)

Urlaub - Wir sind in Frankreich, in der Nähe von Calais. Klar, dass sich die Location auf den Gemütszustand und mithin auf meinen Musikkonsum auswirkt. Entsprechend habe ich Alcest rausgekramt, die sich als MP3 auf meinem Handy befinden. Mit ein paar gescheiten InEars geht der Sound schon in Ordnung. 
Ich habe nicht so furchtbar viele französischsprachige Künstler auf dem Schirm, als das ich damit haussieren gehen könnte. Alcest sind damit eher eine Rarität in meinem Plattenschrank. 
Gegründet wurden Alcest bereits 2000 als Black-Metal-Projekt. In ihrer heutigen Weiterentwicklung würde man das was sie tun, als Post Rock bezeichnen. Interessant wird das ganze dadurch, dass sie hin und wieder ihren Black-Metal-Ursprung aufblitzen lassen und ihren ansonsten recht seicht melancholisch dahin plätschernden doomigen Gaze mit Speed und ordentlichen Growls würzen. Einige findige Schlaumeier haben dafür natürlich sofort wieder eine neue Schublade kreiert: "Blackgaze".
Vor zwei Jahren durfte ich Alcest live auf dem PartySan-Festival erleben. Das war großartig! Eher als softe Exoten zwischen den ganzen harten Thrashern und Deathern eingeladen, haben sie das anspruchsvolle Publikum durch ihre Einzigartigkeit locker im Griff gehabt.
Für mich ist "Ècailles De Lune" Alcest bestes Album, muss aber zugeben mich nicht sonderlich gut im Backkatalog der Franzosen aus zu kennen. Grund genug mich vielleicht in dieser Urlaubswoche da nochmal intensiver rein zu graben. 



20 Juli 2024

Syd Barrett - "The Madcap Laughs" (1970)

Über die "Unvollkommenheiten" von Syd-Barrett-Platten hatte ich mich hier schon mal ausgelassen. Trotzdem lagen beide Alben in dieser Woche mal wieder auf dem Plattenteller. Tante Trude aus Buxtehude war zu Besuch. Sie hat zwischenzeitlich ihre musikalische Vorliebe für die frühen Pink-Floyd-Jahre entdeckt und so haben wir warmer Milch mit Honig gefrönt und ausführlich über Syd Barretts Rolle fabuliert. An der Tatsache, dass Syd Barrett in den ersten Jahren der geniale und kreative Kopf von Pink Floyd war, gibt es sicherlich nichts zu rütteln. Seine Solo-Alben hingegen polarisieren stark. Während die einen hier geniale Kunstwerke sehen, sehen andere den traurigen Beleg für Barretts mentalen Verfall. Nach erneutem Hören zählen sich Tante Trude und ich uns zu zweiter Gruppe. Meine Frau ging sogar soweit zu hinterfragen, wer wohl so einen Mist kauft. Damit wurde dann wohl mein eigener mentaler Zustand hinterfragt. Allerdings haben Tante Trude und ich noch eine weitere Rolle in Syd Barrett entdeckt, nämlich die eines ausgezeichneten Comedian. Die Songs auf den Alben sind teilweise so deletantisch eingespielt und produziert, dass wir uns vor Lachen kaum auf unseren Stühlen halten konnten. Bestes Beispiel dafür: "If it's in You".  Das kann kein zufälliges Versehen -, sondern muss Absicht gewesen sein! Zumal David Gilmour und Roger Waters hier als Produzenten in die Bresche gesprungen sind. ... und damit kommen wir wieder zum Genius von Syd Barrett. Wer Alben mit so hohem Unterhaltungswert aufnimmt, muss genial sein. ... und das rechtfertigt dann selbstverständlich auch die erneute Nominierung zum Album der Woche. 


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12 Juli 2024

Yes - "Big Generator" (1987)

Mein gefühltes halbes Leben versuche ich einen Zugang zu Yes zu bekommen. Für jemanden, der dem Progressiv-Rock recht zugetan ist, nicht verwunderlich. Yes ist in diesem Genre eine absolute Institution. Ich war von Yes' virtuosem Spiel und den ausgeklügelten Melodieläufen schon immer sehr fasziniert. Die ersten Takte des Eröffnungs-Riffs von "Owner Of A Lonely Heart" hatten mich sofort gepackt, während ich es als 13-jähriger Milchbart im Radio hörte. 

Allerdings bergen insbesondere die stilprägenden Frühwerke der 1970er Jahre einen hohen Nervfaktor für mich. Bei Platten wie "Fragile" oder   "Relayer", wo echte Fans mit der Zunge schnalzen, habe ich immer irgendwann entnervt aufgegeben. Und so kommt es, dass ich bis jetzt noch kein Yes-Album wirklich durch gehört hatte, geschweige denn eins im Schrank habe. Dieses ausufernde Gefrickele ging mir immer sehr schnell auf den Keks. 

In dieser Woche habe ich mal wieder in mehrstündigen Sessions den Yes-Backkatalog beackert. Dabei bin ich ausgerechnet bei "Big Generator" hängen geblieben, ... ausgerechnet bei jenem Album, was von eingefleischten Yes-Fans massiv verrissen wird. Zu mainstreamig, zu glatt, zu kommerziell,  einfallslos, ohne Tiefgang - sind alles Prädikate die diesem Album anhaften. Tatsache ist, dass "Big Generator" mich als erstes Yes-Album mal so fesseln konnte, dass ich es komplett durch gehört habe. Glücklicherweise muss ich das keinem Yes-Fan erklären. ;-)  ... und so werde ich mit diesem Album die bisher klaffende Lücke in meinem Schrank füllen. Weitere Alben haben sich schon empfohlen. Aber dazu irgendwann in einer anderen Woche mehr. 


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04 Juli 2024

Protector - "Golem" (1988)

In dieser Woche habe ich mich mal wieder von einer nostalgischen Stimmung übermannen lassen. Das Album "Golem" der deutschen Thrash-Instanz Protector hatte ich mir vor genau 35 Jahren als Kauf-Kassette von unserer Abi-Klassenfahrt aus Ungarn mitgebracht. Die Kassette existiert schon lange nicht mehr. ... sehr zu meinem Leidwesen, .... und da mußte jetzt endlich mal würdiger Ersatz her! Natürlich in schwarzem Vinyl. 

"Golem" halte ich für eines der besten Thrashalben überhaupt. Für mich war es immer schon  ein Rätsel, dass Protector nie die Popularität von z.B. Kreator oder Tankard erreicht haben. Es ist über die Maßen beeindruckend, wie die Jungs gleich mit dem Opener "Delirium Tremens" zeigen wo der Hammer hängt. ... und so reiht sich quasi Hit an Hit bis sie sich zum großen Finale "Space Cake" durchgeprügelt haben. Dabei ist "Space Cake" dann wirklich der krönende Abschluß mit einem echten Augenzinkern und Schmunzeln auf den Lippen: "Eat the space cake and feel better, fly into the fourth dimension!" 

In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende!


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