25 Mai 2024

Burzum - "Filosofem" (1996)

Das Album dieser Woche habe ich gestern bestellt, obwohl ich es schon sehr lange auf dem Schirm habe. Für mich ist "Filosofem" ein Prototyp eines sehr typischen Black-Metal-Albums, welches die Vielfältigkeit dieses Genres sehr überzeugend darlegt. Dabei bin ich mir der Problematik um die Band Burzum  absolut bewußt. 

Burzum ist das Ein-Mann-Projekt von Varg Vikernes, der Anfang der 1990er Jahre in Norwegen mehrere Kirchen niedergebrannt und seinen damaligen Mayhem-Bandkollegen Euronymous ermordet hat. Soviel zu den geschichtlich und gerichtlich belegten Tatsachen, die sich sehr eindrucksvoll in "Lord Of Chaos" im Spielfilmformat nachschauen lassen. Damit ist hinsichtlich Vikernes' Geisteszustand und seiner Persönlichkeit schon mal ein ziemlich klares Statement gesetzt. Diese Taten sind abscheulich und weder zu tolerieren noch zu akzeptieren und schon mal gar nicht zu glorifizieren. Im weiteren Verlauf wird Varg Vikernes mit seiner Hinwendung zu einer neuheidnischen Weltanschauung auch rechtsradikales Gedankengut vorgeworfen. Tatsächlich ist es nicht an mir Varg Vikernes' Weltanschauung zu be- oder verurteilen, solange sie sich im gesetzlichen und sozialen Rahmen bewegt. Soviel ich weiß, sind gegen Vikernes keine weiteren gerichtlichen Verfahren wegen politischer oder weltanschaulicher Themen anhängig. Auch Vikernes' Veröffentlichungen, sprich alle Burzum-Platten, sind uneingeschränkt zugänglich und frei verkäuflich. Soweit ich das überblicken kann, beschäftigen sich Burzums Songs mit Themen aus der Mythologie, der Interpretation von Märchen, nordischer Kultur und Naturschauspielen. Politische oder gar rassistische Aussagen sind dagegen nicht zu finden. Erstaunlicherweise werde ich allerdings bei der Eingabe des Suchbegriffs "Burzum" bei Facebook direkt darauf hingewiesen, dass dieser Suchbegriff "mit Aktivitäten gefährlicher Personen und Organisationen in Verbindung gebracht werden könnte" und das dies im Weiteren zur Sperrung meines Accounts führen könnte. Selbst das Ignorieren diverser weiterer Drohungen führt mich nicht zu Suchergebnissen die Burzum betreffen. Ich werde mir also sehr gut überlegen, ob ich jemals unter der Rubrik #NowPlaying poste, dass ich gerade eine Burzum-Platte höre. Auch das Tragen eines Burzum-T-Shirts dürfte einem gesellschaftlichen Selbstmord gleich kommen. ... und genau hier habe ich ein Problem: Solang nicht ein Richter sagt, dass ich bestimmte Sachen nicht tun darf, sollte sich das auch niemand anderes anmaßen oder mich gar dafür verurteilen. Das ist mein Grundverständnis von Freiheit und Toleranz und die offensichtliche Missachtung dieser Grundprinzipien durch diese gesellschaftliche Zensur, die sich hier eingebürgert hat, geht mir absolut gegen den Strich! 

Spätestens seit Venoms "At War With Satan" bin ich der schwarz-metallischen Kunst durchaus sehr zugetan. Dabei beeindruckt mich weniger das wütende, hochstimmige Gekeife und schnelle Geknüppele mancher Genre-Vertreter sondern die unglaubliche musikalische Vielfalt, die im Black Metal steckt. ... und genau hier greift "Filosoferm" an und trifft meinen Nerv genau an der richtigen Stelle. Die ersten drei Songs sind sowas von "Metal": extrem trockene, knarzige Gitarren; extrem verzerrter Gesang (wurde mit dem Mikro eines Headsets aufgenommen); flache, dumpfe Drum und ein Synthesizer im Hintergrund für die düstere Atmosphäre. Das Riffing ist extrem monoton, fast schon langweilig, aber beim genaueren Hinhören und mehreren Durchläufen erschließen sich immer neue Fassetten und Unterspiele, so dass das sehr spannend ist. Am fünften Song "Rundgang ..." scheiden sich die Geister dann völlig. Dieses 25-Minuten-Epos ist dann wohl auch eher ein Ambiente-Stück wie es beispielsweise Brian Eno nicht hätte besser bringen können. Mit Metal hat das dann tatsächlich auch nichts zu tun, wertet diese Platte aber für mich unglaublich auf. Abgeschlossen wird das Album mit "Gebrechlich II", welcher diesen einzigartigen Mix aus düsterem Metal und Ambiente nochmal beeindruckend herausstellt und abrundet. 

Wenn man sich auf dieses Album einläßt und nicht vorverurteilenden Schwachsinn aus unserer Medienlandschaft aufsitzt, wird man hier ein wahres Kunstwerk finden. 


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18 Mai 2024

Daily Thompson - "Chuparosa" (2024)

In dieser Woche küre ich das "Album der Woche" quasi direkt mit Erscheinen. "Chuparosa", das neue Album von Daily Thompson erschien gestern und ich besitze es seit Mittwoch. Wie das? Nun, Daily Thompson spielten ein hervorragendes Set als Vorband zu Brant Björk am Mittwochabend in Bielefeld. Dabei habe ich das neue Album direkt aus den Händen von Mercedes Lalakakis - der Sängerin und Basserin - am Merch-Stand erworben (zwei Tage vor offiziellem Erscheinen!!!).

Daily Thompson habe ich ja schon länger als hervorragende Stoner-Heavy-Psych-Noise-was auch immer- Band  auf dem Schirm. Ihr Vorgänger-Album "God Of Spinoza" gehört zu meinen absoluten Lieblingen. Mercedes Lalakakis äußerte sich sehr gespannt, wie wohl das neue Album ankommen würde. Tatsächlich ist "Chuparosa" ein lupenreines Grunge-Album geworden und damit eher eine Homage an die Größen des Gengres wie Pearl Jam oder Alice In Chains. Dazu habe ich dann auch schon Vorwürfe des Aufgußes von altem Wein in neuen Schläuchen gehört. Kann man natürlich so sehen. Allerdings macht die Band auch keinen Hehl aus ihrem musikalischen Kniefall und erwartet hier sicherlich auch keine Innovations-Preise. Es gibt sicherlich Schlimmeres als sich musikalisch von Pearl Jam oder Alice In Chains inspirieren zu lassen. Schlimm wäre nur, wenn sich Daily Thompson auf diesem Sound ausruhen würden, was aber bei dem musikalischen Potenzial der Band echt nicht zu erwarten ist. ... und so ist "Chuparosa" das was es ist, nämlich ein ziemlich geiles Seattle-Grunge-Ding  mit einer ordentlichen Daily-Thompson-Note. 


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11 Mai 2024

Godsleep - "Coming Of Age" (2018)

Das Album dieser Woche nominiert sich wieder mal aufgrund eines denkwürdigen Konzertbesuches. Die griechische Stoner-Rockband Godsleep spielte am Dienstag im Forum in Bielefeld. Wobei Stoner als Stilbeschreibung für die Musik der Band hier ganz klar zu kurz greift. Godsleep bedienen genauso den doomigen Metalbereich und brechen sogar hin und wieder sehr ordentlich ins Noisige aus.  Dabei zelebriert die "hyperaktive" Sängerin Anne Makris live eine One-"Women"-Show und hält ihre drei männlichen Mitstreiter an Gitarre, Bass und Schlagzeug eher im Hintergrund, was denen ganz Recht zu sein scheint. Anne Makaris erinnert mich in ihrem Wesen ein wenig an Sandra Nasic von den Guano Apes. Jedenfalls war das Konzert eine absolute Wucht!

Godsleep kenne ich vom LineUp des diesjährigen Freak Valley Festivals, für das ich Karten ergattern konnte. Entsprechend habe ich mich im Vorfeld ein wenig mit den Bands beschäftigt, die dort auftreten werden. Godsleep wird für mich persönlich einer der Hauptacts werden. Der musikalische Stil trifft meinen Nerv ziemlich genau. 

Das Album "Coming Of Age" ist das mittlere von dreien. Das Debüt "Thousend Sons Of Sleep" von 2010 kenne ich nicht. Die aktuelle Platte "Lies To Survive" von 2023 war mein eigentlicher Favourit. Als ich dann aber zum Merch-Stand der Band kam, griff ich schlichtweg zum falschen Album. Ein Glücksfall wie sich rausstellte. "Coming Of Age" ist nämlich ansonsten mittlerweile vergriffen, so dass ich hier wohl eins der letzten Exemplare ergattern konnte. In der Summe ist "Coming Of Age" stoniger als "Lies To Survive", welches wesentlich noisiger und moderner daher kommt. Beide Platten haben ihren Reiz, so dass ich meinen "Fehler" dadurch kompensiert habe, direkt "Lies To Survive" hinterher zu bestellen. Aber dazu vielleicht mal in einem späteren Blog-Eintrag. 

Erstmal freue ich mich riesig auf Wiedersehen beim Freak Valley Festival am letzten Mai-Wochenende. 



01 Mai 2024

Eric Clapton - "Unplugged" (1992)

Ich liebe Unplugged, ... also Musik, der wirklich der Stecker gezogen wurde - Musik, die mit rein akustischen Instrumenten interpretiert wird. Für mich ist das Musik in Reinform. 

Vorliegendes Unplugged-Album ist für mich eines der Besten seiner Art. Zum Künstler selbst - Eric Clapton "Mr. Slowhand" braucht nichts weiter gesagt werden. Er prägt seit Jahrzehnten mit unzähligen Songs die Rock- und Blues-Musik und beherrscht sein Instrument - die Gitarre, erst recht die Akustik-Gitarre, wie es nur wenige können. Dazu eine weiche, runde Stimme - beruhigend, einschmeichelnd, sanft - also im wahrsten Sinne akustisch. Damit haben wir die besten Zutaten für "handgemachte" Musik überhaupt. ... und seine Stärken spielt Meister Clapton auf vorliegendem Album voll aus. Dazu kommt eine großartige Aufnahme und Produktion der Platte. Glücklicherweise habe ich hier auch eine 1A-Pressung erwischt. Man hört tatsächlich das Anschlagen und Schwingen der Gitarren-Saiten sowie das leichte Scratchen der Finger beim Umgreifen auf dem Griffbrett. Phantastisch! Dazu kommt die Auswahl der Titel: Songs wie "Tears In Heaven",  "Layla" oder "Old Love" treiben mir schon in ihrern normalen Studioversionen das Pippi in die Augen, - in ihren akustischen Versionen ist dann alles zu spät! ... und so muss Musik sein: Musik muss wirken, ... sie muss irgendwas in mir auslösen, sonst brauche ich sie nicht!


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27 April 2024

Helmet - "Betty" (1994)

Das Album dieser Woche ist mir beim bewussten Stöbern nach etwas Hörbarem in die Hände gefallen. "Betty" ist das einzige Album von Helmet, welches ich besitze. Ansonsten ist die musikalische Entwicklung der Band an mir auch komplett vorbei gegangen. Das mag vielleicht daran liegen, dass der Sound von Helmet für mich nicht genügend Eigenständigkeit besitzt. Beschrieben wird das Ganze mit "Alternative-Metal" oder "Post-Hardcore". Dabei ist der Wiedererkennungseffekt nicht unbedingt gegeben. Es verwundert beim Hören nicht, dass Helmet um 1990 herum in New York gegründet wurden. Eine typisch amerikanische Band der 1990er Jahre! Es steckt jede Menge "Hatebreed", "Nirvana", "Alice In Chains", "Rage Against The Machine" und "Crowbar" drin, um nur einige zu nennen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass "Betty" ein verdammt geiles Album ist und so zu Recht hier auch seine Erwähnung findet. 


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20 April 2024

Ramones - "Rocket To Russia" (1977)

Die Ramones liefen bei mir immer etwas neben der Spur. Früher - als ich noch viel Zeit mit zwei steifen Fingern auf dem Kassettenrekorder vor dem Radio verbracht habe, kannte ich zwar schon einige Songs, wußte aber nicht, dass diese von den Ramones waren. Es war für mich coole Rock'n Roll-Musik, die einfach ein bisschen spät dran war und daher etwas härter und schneller gespielt wurde, als in den 1950ern. Es passte musikalisch ganz gut in meine Pre-Heavy-Metal-Phase rein. Die Songs und Platten der Spät-80er und 1990er-Jahre, die man vieleicht hätte dem Punk zuordnen können, habe ich schlechtweg nicht mitbekommen ... und wenn ich mir diese heute so anhöre, finde ich die auch allenfalls mittelmäßig. 

Richtig wahrgenommen, und bewusst rein gehört, habe ich bei den Ramones tatsächlich erst vor ein paar Jahren, als meine Tochter ein Referat über Punkmusik für die Schule machen mußte. Zu der Zeit habe ich mir auch so eine Anthology-Doppel-CD gekauft. Aber wie das so ist, ... auf solchen Samplern ist dann viel Schrott zwischen, ... und durchgängig tiefgründige und anspruchsvolle Musik haben die Ramones eben nicht gemacht. Jedenfalls fristet der Sampler im Regal ein eher trauriges Dasein. Über die Jahre wurde aber klar, dass ich insbesondere mit den frühen Ramones sehr gut klar komme und sich dabei insbesondere vorliegendes Album "Rocket To Russia" heraus kristallisiert. Daher habe ich es jetzt schon längere Zeit auf meiner Buy-Liste. In dieser Woche habe ich für sehr schmales Geld bei Medimops so eine "2in1"-CD-Box mit "Ramones" und "Rocket To Russia" geschossen. Damit habe ich alles was ich brauche. Allerdings werde ich die Augen noch nach einer brauchbaren Vinyl-Ausgabe offen halten. Der CD-Sound ist mir hier konkret, für diese Art der Musik, etwas zu steril. ... Luxusproblem!

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13 April 2024

Pink Project - "Domino" (1982)

Das Album dieser Woche fällt ganz klar in die Kategorie "Originell". Aufgeschlagen ist es bei der gestrigen Kellersession. Ich hatte mal wieder ganz lieben Besuch aus Dortmund mit entsprechenden Glanzscheiben im Gepäck. 

Wer Songs von Trio, Falco, Deep Purple, Jean Michell Jarre, Allan Parsons und Pink Floyd covert, zusammen mischt und auf ein elektronisch verzerrtes Discoalbum pakt ist entweder total bescheuert, weil er sich in höchste Gefahr begibt, den Zorn der gesammten Rock-Fan-Gemeinde herauf zu beschwören, oder so überzeugend professionell dabei, dass eine Homage an ganz große Songs der Rock- und Pop-Geschichte entsteht und dabei kein Zweifel an der entsprechenden Huldigung aufkommt. Letzteres ist hier der Fall. 

Über die Band und das Projekt weiß ich tatsächlich überhaupt nichts, außer das es in Italien seinen Ursprung hat und damit dem Sub-Genre Italo Disco zuzuordnen wird, aber wen interessiert das schon. Führen wir uns mal kurz vor Augen, dass das vorliegende Album bereits 1982 entstanden ist. Die Neue Deutsche Welle war gerade erst auf ihrem Höhepunkt angelangt. "Da, Da, Da" und der "Kommisar" hatten gerade erst die Hitparaden gestürmt, "The Wall" war erst 1979 bzw. 1980 als Film bzw. Album veröffentlicht worden. Auch die beliehenen Alben von Allen Parsons und Jean Michel Jarre waren gerade ein paar Jahre vorher, nämlich Mitte der 1970er Jahre veröffentlicht worden. Einzig "Smoke On The Water"von Deep Purple hatte schon den gewissen Kultstatus, den einzig die erfolgreiche Zeit, aus Veröffentlichungen überhaupt machen kann. Wahrscheinlich hängt es genau damit zusammen, dass die ausgewählten Songs damals noch recht "frisch" waren und eben nicht auf diesem Sockel standen, die sie heute unantastbar machen. Wer sich heute an solchen Songs zu schaffen macht, darf sich durchaus darauf gefasst machen, als Blashem (Gibt's das Wort überhaupt?) gesteinigt zu werden. Jedenfalls machen auf der einen Seite die respektlose Discointerpretation mit diesen Übermischungen der Songs und die hochproffessionelle Produktion andererseits das Ganze zu einem besonderen Hörerlebnis. Mal sehen, ob sich meine Euphorie so lange hält und so weit geht, dass ich mir das Album wirklich irgendwann in den Schrank stelle. Vorgemerkt ist es jedenfalls.   


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