17 Juni 2023

Syd Barrett - "Barrett" (1970)

Das Album dieser Woche muss man musikalisch wohl als völlig un-ambitioniert bezeichnen. Zumindest tue ich das. Album wie auch Künstler polarisieren total ... und das macht's für mich schon wieder sehr interessant! Neulich bin ich von Tante Trude aus Buxtehude gebeten worden, mein schlechtestes Album auf zu legen. Ohne zu zögern ging mein Griff zu "Barrett". Das hätte aber eben so gut das zweite Solo-Album von Syd Barrett "The Madcap Laughs" sein können. Beide Alben halte ich eigentlich für unwürdig jemals veröffentlicht worden zu sein. Die Kompositionen und Texte sind, bis auf wenige Ausnahmen, völlig trivial, die Arrangements total simpel, die Produktion total unprofessionell. Syd Barrett selbst kann die Töne nicht halten und bei einigen Songs ist der Takt in der Partitur (wenn es je eine gegeben hat) wohl nur eine höfliche Empfehlung gewesen. 

Warum liegt das Album trotzdem alle halben Jahre mal wieder auf meinem Dreher? Zunächst fasziniert mich der Kult, der um die Person Syd Barrett gemacht wird. Eine Menge Leute halten Syd Barrett für das eigentliche musikalische Genie, welches hinter den frühen musikalischen Jahren von Pink Floyd steht. Warum tun die das? Das versuche ich immer mal wieder nach zu vollziehen. Seit ich mich für Musik interessiere (also quasi seit ich lebe ;-) ) spielt Pink Floyd bei mir eine ganz zentrale Rolle. Selbst zu meinen völlig intoleranten Spät-80ern habe ich regelmäßig Pink Floyd gehört. Aber um die ganz frühen Alben habe ich immer einen großen Bogen gemacht. "Ummugumma" hatte ich über dreißig Jahre quasi ungehört im Schrank stehen. "The Piper At the Gates Of Dawn" und "A Sauceful Of Secrets" habe ich mir erst in den letzten Jahren zu gelegt. Ebenso wie bei diesen Alben stellt sich auch bei "Barrett" ständig die Frage "Ist das Kunst, oder kann das weg?". Dieses Spannungsfeld zwischen Genie und Wahnsinn, sozusagen das Grenzfeld zum völlig "unhörbaren", macht es für mich aus. Für die frühen Floyd-Alben ist das Thema für mich mittlerweile eindeutig geklärt. ... und  für "Barrett"? Wahrscheinlich brauche ich dafür nochmal 30 Jahre ...

Ein weiterer höchst faszinierender Fakt: Bei kaum einem anderen Album, ist es für das Hörerlebnis so entscheidend, auf welchem Plattenspieler die Scheibe liegt. Wenn das Album auf einem modernen Magnetsystem alla Audio Technica gespielt wird, klingt das echt schlimm. Läuft die Platte aber beispielsweise auf dem alten Kristall-System meines Kurt Ehrlich-Excellent, ist das eine ganz andere Nummer. Haltet mich für verrückt, aber es ist so ... und paßt irgendwie zur gespaltenen Persönlichkeit von Syd Barrett.


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10 Juni 2023

Bob Dylan - "Highway 61 Revisited" (1965)

Vorliegendes Album steht seit dieser Woche in meinem Schrank. Die frühen Bob Dylan Alben sind eigentlich alle sehr folklastig und dabei nervt der Volksliedbarde mit der Mundharmonika eben auch durchaus etwas. Deswegen habe ich um die frühen Dylans auch immer einen Bogen gemacht. Bei "Highway 61 Revisited" kommt aber der begnadete Rock-Musiker durch, der Bob Dylan ja nun mal auch ist. Die Platte selbst so herrlich "spartanisch" produziert, ohne jeglich technischen Schnick-Schnack. So mag ich das!

01 Juni 2023

Edguy - "Rocket Ride" (2006)

 

Eigentlich ist Edguy, wie auch Avantasia und alles andere was Tobias Sammet so gemacht hat, viel zu kommerziell und glatt gelutscht für meinen einen. Klingt halt schwer nach diesem amerikanischen Kommerz-Rock.

Allerdings fiel mir die “Rocked Ride” in dieser Woche beim Platten waschen in die Hände ... und wenn man mal richtig Bock drauf hat, macht dieses Album auch richtig Spaß! Es ist erstklassig produziert, und trägt auch richtig fett auf. Deshalb habe ich es wahrscheinlich auch irgendwann mal gekauft.... Kann man mal machen ... und kann man auch mal zum Album der Woche küren. ... wenn man Bock drauf hat. (*grins*)

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27 Mai 2023

Tina Turner - Private Dancer (1984)

Die Wahl zum Album der Woche erfolgt diesmal mit einem eher traurigen Hintergrund. In dieser Woche ist nämlich die Grand Dame der Rock Musik gestorben. Grund genug sie hier nochmal zu ehren. Wenn ich auch nie ein ausgesprochener Fan von Tina Turner war, so hat sie mich doch ein Stück meines Weges begleitet und mich auch sehr früh schon musikalisch mit genommen. Tina Turner war ja bereits in den späten 60er Jahren mit ihrem damaligen Mann Ike sehr erfolgreich. Ihren Solo-Durchbruch erlebte sie aber zweifellos mit jenem, hier vorliegenden Album. ... und ich war 14 Jahre alt und hatte gerade begonnen mich für Musik zu interessieren. Ihre ersten Hits von diesem Album habe ich noch vom Radio (freitags 18 Uhr Hitparade auf Bayern3) auf Kassette aufgenommen. Etwas später ist es mir sogar gelungen, eine der raren Amiga-Lizenzpressungen von "Private Dancer" zu bekommen. ... und meine Frau hat doch tatsächlich auch noch eine CBS-Pressung mit in die Ehe gebracht. ... Also wir sind versorgt!

Zur Musik selbst gib's ja nichts weiter zu sagen: Kennt jeder, liebt jeder, hat jeder! ... und wenn ich mir das Album heute wieder mal anhöre, so finde ich es brillant und weiß es wesentlich mehr zu schätzen als in meiner Jugend. ... und Erinnerungen werde wach! Da fällt mir gerade ein, dass ich Tina Turner sogar mal live gesehen habe: 1990 Leipzig, mit den Toten Hosen, Gary Moore, Joe Cocker und den Simple Minds. (Was für ein LineUp! ;-) )


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20 Mai 2023

The Black Keys - The Big Come Up (2002)

Gitarre und Schlagzeug ... mehr braucht es nicht! In beeindruckender Weise demonstrieren das Dan Aurbach und Patrick Carney als The Black Keys auf ihrem 2002er Debüt: Eine gekonnte Mischung aus dreckigem Blues und klassischem Rock, in einem dunklen Kellerloch, völlig ungeschminkt runter gerotzt.

Meine erste Begegnung mit den "Keys" hatte ich im Radio auf 1Live in einer Abendsendung namens "Plan B", moderiert von Ingo Schmoll. Da wurde ihr damaliges Hitalbum "El Camino" vorgestellt. Muss also um die 2011 gewesen sein. Wirkich ein nettes Album, .... hat mich aber damals nicht so wirklich mit genommen. Aus heutiger Sicht auch recht klar: "El Camino" ist vergleichsweise schon sehr gefällig/ auf kommerziellen Erfolg hin produziert. Ganz im Gegensatz zu den Frühwerken. Da haben die "Keys" nämlich sehr darauf geachtet, eine ungeschliffene Proberaum-Atmosphäre auf die Platte zu bringen. ... und genau deshalb muss es bei den Black Key auch schwarzes Vinyl sein, und nichts anderes! Da stehe ich drauf! Diese Erkenntnis stellte sich allerdings bei mir erst ein, nachdem ich mit "Magic Portion" meine erste CD der Keys im Schrank hatte. "Magic Portion" von 2008 ist m. E.  so eine Art Wendepunkt. Alle vorher veröffentlichten Alben gehören zu meinen absoluten Lieblingsplatten, die bei mir regelmäßig auf dem Teller liegen. Die späteren Veröffentlichungen habe ich mir, mit Ausnahme von "Delta Kream" (2021), allesamt gespart. Zu "Delta Kream" schreibe ich vielleicht später mal was, wenn es da auch mal zum Album der Woche reicht. ;-)  



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11 Mai 2023

Johnny Winter - "3rd Degree" (1986)

Eine absolute Referenz für eine einer Bluesplatte! So muss "moderner" Blues klingen, einfach Klasse! Die Gitarrenarbeit und der schnörkellose Sound machen das Teil einfach hörenswert. Mein Exemplar ist eine alte Amiga-Pressung von 1988. Jahrelang habe ich mich geärgert, dass ich diese seinerzeit  im Regal stehen lassen habe. Lizenzplatten waren in der damaligen DDR ja doch eher rar. Trotzdem gab es diese Platte für sehr begrenzte Zeit auch über der Ladentheke.  So wie mir ging es wahrscheinlich vielen gelernten DDR-Bürgern. Ich konnte damals als 17-jähriger ,völlig verstrahlter Metal-Head mit Johnny Winter einfach nichts anfangen. Kannte weder ihn, noch seine Musik, noch hatte ich sehr viel für Blues übrig. Das hat sich geändert! Mittlerweile weiß ich Blues als authentischen Gegenpol zu glatt gebügelten Kommerzrock- und pop durchaus sehr zu schätzen.. Jedenfalls habe ich den Kauf jetzt über Ebay nach geholt und bin sehr glücklich damit. 

 


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